Als ein globaler Medizintechnikhersteller ein umfangreiches Transformationsprogramm startete, liefen bereits zahlreiche Teilprojekte parallel. Eine Enterprise Architecture war keines davon. Portamus wurde als zwölftes Teilprojekt beauftragt — nicht zur Programmerweiterung, sondern um das Fundament nachzuliefern, das den anderen fehlte.
Der Ausgangspunkt war nüchtern: Kein konsistentes Bild der IT-Landschaft, keine Geschäftsarchitektur, keine dokumentierten Domänen, keine verbindlichen Leitplanken für Solution Architekten. Weitreichende Architekturentscheidungen wurden organisationsweit getroffen, ohne gemeinsame Referenz und ohne Sicht auf Folgewirkungen. Kein Einzelfall — sondern ein Muster, das sich in großen Transformationsprogrammen regelmäßig zeigt: Die Architekturgrundlage wird nachgezogen, wenn das Programm längst läuft. Die Kosten dafür sind selten gering.
Wir begannen mit dem Aufbau der Geschäftsarchitektur: Domänen für Kernbetrieb, Beschaffung und Vertrieb wurden definiert, Fähigkeiten kartiert und IT-Assets mit dem Domänenmodell verknüpft. Das ermöglichte unmittelbar, Redundanzen zu identifizieren, strategische Produkte klar abzugrenzen, Ablösestrategien für Altsysteme zu entwickeln und eine tragfähige Basis für die Geschäftskontinuitätsplanung zu schaffen. Das IT-Big-Picture wurde anschließend vervollständigt und in ADOIT integriert — alle Workstreams erhielten damit eine modellgestützte Referenz, auf die sie sich verlassen konnten.
Parallel dazu wurde die Integrationsarchitektur für die SAP-BTP-Migration konzipiert: Abhängigkeiten zwischen On-Premise-Systemen und Cloud-Diensten, die bis dahin unsichtbar geblieben waren, wurden erstmals explizit dokumentiert. EA-Prinzipien wurden finalisiert, Guardrails eingeführt und ein strukturierter Governance-Prozess ausgerollt. Innerhalb von zehn Monaten hatte die Organisation das architektonische Fundament, das ihr Transformationsprogramm von Anfang an gebraucht hätte.
